About F.A.T.
F.A.T. wurde von Magdalena Salner und Manuel Baumer als Konsequenz eines langjährigen künstlerischen Austausches ins Leben gerufen. Die Zusammenarbeit im Bereich musikalischer Komposition und Videokunst führte zur Erkenntnis, dass Bewegtbild und Musik im selben Äther agieren. Während sich ihr spezifisches künstlerisches Material grundlegend unterscheidet, bedingen beide Kunstformen der Zeit als Trägermedium. Diesbezüglich spielt der Begriff Form eine zentrale Rolle im Schaffen von F.A.T.. Durch die zeitliche Strukturierung eines an sich immateriellen künstlerischen Materials in der Zeit erhält ein Kunstwerk seine konkrete Form.
Die Ausbreitung in der Zeit steht in Analogie zu Hammer und Meisel bei der Bearbeitung eines Marmorblocks. Die Lösung in der Zeit unterzieht das Material vielfältigen Prozessen und verleiht ihm durch Dehnung, Verdrehung, Fragmentierung etc. eine konkrete Form. Während jedes zeitbasierte Werk naturgemäß eine solche Form besitzt, wird nur selten das vielseitige Potential einer solchen Form ausgenutzt. Häufig dient die Form in Film und Musik nur als simples Gefäß für konzeptuelle Inhalte. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Beispiele von Werken bzw. KünstlerInnen, über die gesamte Kunst- und Musikgeschichte verteilt, deren Fokus auf durch Zeit exponierte Form liegt. Interessanterweise hat sich speziell im Bereich der europäischen Kunstmusik im Laufe der Jahrhunderte ein Reichtum an verschiedenen komplexen formalen Modellen entwickelt, deren sich KomponistInnen bedienen und neben Harmonie- und Kontrapunktlehre spricht man in der Musiktheorie sogar dezidiert von Formenlehre. Die klassische Musik des 20. Jahrhunderts agiert nach dem Überwinden der Tonalität sogar im Übermaß in diesem zeitlich-formalen Bereich mit zum Teil sehr detailverliebten und komplexen formalen Gestalten. Dennoch bleibt die Rezeption und Wahrnehmung dieser Ebene zum Großteil auf einen kleinen Expertenkreis an MusikwissenschaftlerInnen und MusiktheoretikerInnen beschränkt.
Die Situation in anderen zeitbasierten Kunstdisziplinen sieht recht ähnlich aus. Abstrakte Formen, Strukturen und Prozesse sind zentraler Bestandteil von unzähligen Kunstvideos und -filmen, werden aber zu häufig zugunsten von Konzepten, Plots und Inhalten überschatten und übersehen. Das Resultat: Unverstandene KünstlerInnen, wenige entzückte GeisteswissenschaftlerInnen und ein vollkommen miss- informiertes, ahnungsloses und überfordertes Publikum. Ziel von F.A.T. ist es mehr Fokus und Bewusstsein für dieses Phänomen der durch Zeit gestalteten Form zu legen sowohl für KünstlerInnen als auch RezipientInnen.
Während F.A.T. in erster Linie die künstlerische Zusammenarbeit von Magdalena Salner und Manuel Baumer darstellt, behält sich das Projekt das Potential vor als eine Art Forum, Magazin und Künstlerkollektiv zu agieren.
In diesem Sinne folgen in unregelmäßigen Abständen rezensionsartige Texte von Beispielen für formal interessante Werke aus der Kunstgeschichte und Gegenwart. Verschiedene formale Möglichkeiten eines zeitbasierten Materials sollen erläutert, diskutiert und illustriert werden. Demgemäß wird mit der Zeit jedes Projekt von F.A.T. mit immer detaillierter werdenden, textlichen Ausarbeitung und graphischen Darstellungen versehen werden, in denen die zeitbasierten Formen und formalen Prozesse auf visueller und akustischer Ebene vermittelt und zugänglich(er) gemacht werden soll. Die Wahrnehmung von zeitbasierter Form ist nichts Selbstverständliches, sondern muss quasi gelernt und durch Erfahrung geschärft werden; gleichzeitig ist sie aber theoretisch jedem Menschen zugänglich.
Ein Anliegen von F.A.T. wäre es Möglichkeiten zu bieten diese Wahrnehmung zu entwickeln und mehr Achtsamkeit für zeitbasierte Form zu evozieren. Im Sinne dieses Vorhabens bleibt F.A.T. für KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen, die im Umfeld dieses Themenkomplexes arbeiten oder sich dafür interessieren offen.